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HTC U11 Plus 

Das HTC U11 Plus ist ein neues Smartphones des taiwanesischen Herstellers HTC. Der Name des Gerätes ist Programm: Im Vergleich zu der Nicht-Plus-Variante HTC U11, die im Sommer 2017 auf den Markt kam, bietet es mehr Speicher, einen dickeren Akku sowie ein größeres Display. Außerdem läuft es mit Android in der Version OS 8.0 Oreo mit einigen neuen Funktionen des Betriebssystems. In den vergangenen Tagen durften wir das Telefon ausführlich testen, welche Erfahrung wir mit dem HTC U11 Plus gesammelt haben, lest Ihr in diesem Testbericht.

Das U11 Plus kommt in einer beigen komplett wiederverwertbaren Verpackung zu seinem Besitzer. Neben dem Telefon befinden sich im Lieferumfang ein Schnellladegerät, Kabel mit USB Type C, ein simples Case in Klarglasoptik sowie hochwertige Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung. Weil das U11 Plus keinen analogen Klinkenanschluss mit 3,5 mm besitzt, gibt es noch einen Adapter zur Überbrückung mit.

Das Schnellladegerät pumpt den Akku des Telefons in 2 Stunden und 12 Minuten auf. An und für sich gar nicht so schnell, könnte man meinen. Es sind jedoch 3930 mAh drinnen. Das HTC U11 verfügt über einen Akku mit einer Kapazität von 3000 Milliamperestunden, das Aufladen dort nimmt 1:40 hrs in Anspruch.

Die USonic-Kopfhörer von HTC sind kabelgebunden und beherrschen die ANC-Technologie zur Erzeugung von Antischall, um Umgebungsgeräusche zu reduzieren. Die Umsetzung ist gut gelungen und zeigte sich im Test praktisch: Während eines Fluges wurde der Lärm der Flugzeugturbinen merklich reduziert, ohne dass die Lautstärke erhöht werden musste. Das Noise Cancellation kann auf Wunsch auch deaktiviert werden.

Das HTC U11 Plus ist aus hartem Glas gemacht und wird mittels einem Metallrahmen mit integrierten Antennen für Mobilfunk, Bluetooth und WLAN stabilisiert. Das Design stammt großenteils vom U11 (Testbericht), U Ultra (Testbericht) und U Play (Testbericht). Die Übergänge des Telefons sind nahtlos – das ist sowohl optisch sichtbar, als auch haptisch tastbar.

Weniger positiv sind die Fingerabdrücke, die sich schon nachdem Auspacken auf dem U11 Plus sichtbar machen. Die Glasoberfläche ist derart stark poliert, dass kleinste Berührungen – selbst mit desinfizierten Händen – ihre Spuren hinterlassen. Auch nicht gerade vom Vorteil: Wegen der glatten Beschaffung rutscht das HTC U11 Plus nahezu auf allen Oberflächen. Bei einem Telefon, das hauptsächlich aus Glas besteht, ist das eine stets präsente Gefahr.

Das U11 Plus ist IP68 zertifiziert und damit staub- und wasserfest. Regen und erhöhte Luftfeuchtigkeit machen dem Gerät nichts aus. Auch das dauerhafte Untertauchen bis zu einer Tiefe von einem halben Meter ist keine Herausforderung. Wir sind einen Schritt weitergegangen und haben das U11 Plus in ein Thermalfreibad mit 40 Grad Celsius mit starkem Salzgehalt mitgenommen. Nach dem Baden wurde es mit Klarwasser abgespült und funktioniert bis heute. Empfehlenswert ist das trotzdem nicht.

Beim U11 Plus sitzt der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite, statt vorne, wie bei dem HTC U11. Diese Entscheidung ist bei einem großen Smartphone sinnvoll. Aber die eigentliche Motivation ist eine andere: Das U11 verfügt über eine schlanke Form im Verhältnis von 18:9 respektive 2:1. Das Display auf der Front wird von ganz dünnen Rändern links und rechts begleitet – nahezu rahmenlos ist das Telefon nicht. Und schon gar nicht auf einem Niveau eines Galaxy S8 (Testbericht) oder LG G6 (Testbericht). Hierfür fehlen stark abgerundete Seiten, Ecken mit einem Radius sowie ein seitlich geschwungenes Display-Glas. Für Letzteres müsste HTC auf die OLED-Technologie setzen, statt Flüssigkristall, da jenes flexible ist. Nichtsdestotrotz geht der Hersteller in die richtige Richtung und passt das Design der aktuellen Moderne an. Weiter so!

Bei der Farbwahl bietet HTC dieses Mal etwas Neues an. Es erinnert ein bisschen an den alten und lichtdurchlässigen Game Boy Color von Nintendo: Die Farbe Translucent Black beherbergt eine halbdurchsichtige Rückseite. Darunter ist das Innere des Gerätes zu sehen. Anders als erwartet, gehört die kreisrunde Antenne zum NFC-System und ist keine Spule für das Wireless Charging. Drahtloses Laden ist übrigens gar nicht dabei, dafür will der Hersteller lieber einen größeren Akku einbauen.

Im U11 Plus arbeitet ein Snapdragon 835 von Qualcomm. Der Achtkerner bietet genug Leistung für alltägliche Dinge, aber auch für rechenintensive Apps und Spiele. Das Betriebssystem läuft flüssig, wie man’s von HTC gewohnt ist. Aussetzer und Ruckler sind nicht zu finden. Laufende Anwendungen und Daten werden in einem Kurzspeicher abgelegt, der eine Größe von 6 GByte besitzt. Im Vergleich zum HTC U11 sind das 2 GByte mehr an RAM. Macht sich das bemerkbar? Im Alltag nicht wirklich. Doch das Ergebnis des Zusammenspiels aus dem Prozessor und derart viel Zwischenspeicher klettert in den Benchmarks ganz weit nach oben: Im AnTuTu sind es 186.000 Punkte. Das Nicht-Plus-Modell verzeichnet einen Wert von 175.000.

Etwas überdimensioniert geht es weiter mit dem Speicher: Das U11 Plus besitzt einen integrierten Speicher von 128 GByte. Davon nutzbar sind tatsächlich 111 GByte. Wem das zu wenig ist, der kann optional eine Speicherkarte im Format microSDXC einsetzen. Welche Speicherkarte ideal für Android ist, lest Ihr in unserer großen Kaufberatung zu microSDHC- und microSDXC-Karten. Unsere 400-GByte-SanDisk funktionierte ideal mit dem HTC U11 Plus.

Vielleicht eine Seltenheit in der Kategorie der aktuellen High-End-Smartphones: Das U11 Plus kann wahlweise mit zwei SIM-Karten betrieben werden. Hierfür steht ein Hybrid-Steckplatz für Dual-nanoSIM nach dem 4FF-Standard zur Verfügung. Es sind handelsübliche SIM-Karten, die man in Telefonen vorfindet. Die Gesprächsqualität und die mobile Datennutzung über 4G LTE über Vodafone und Telefonica Germany im Großraum Hamburg waren tadellos.

Genau wie sein kleiner Bruder, kommt auch das HTC U11 Plus mit einem Schwerpunkt auf Audio: Kopfhörer mit Antischall sind zwar dabei, dazu gibt es noch laute Stereo-Lautsprecher und vier Mikrofone mit der Möglichkeit, den Sound bei Videoaufnahmen zu richten. Der Nutzer kann sich vor der eigentlichen Aufnahme entscheiden, welche Charakteristik er für seine Intention haben möchte. Standardmäßig ist 3D eingestellt, das fängt alles aus der unmittelbaren Umgebung auf. Musik und andere Töne überträgt das HTC U11 Plus via Bluetooth 5.0 und Qualcomm aptX HD. Letzteres ist auch vonnöten, da die Wiedergabe auf dem Telefon im High-Res-Format läuft.

Das Display des HTC U11 Plus ist 6 Zoll groß. Das sind 1,27 Zentimeter in der Diagonale mehr, als beim HTC U11. Interessant ist jedoch der Vergleich zum kleinen Bruder: Wegen einer handlichen Bildproportion ist das U11 Plus nur minimal größer, als das U11. Wenn HTC ganz auf die Ränder verzichtet hätte, wäre das Neue kleiner als das Alte, trotz eines größeren Bildschirms.

Die Anzeige basiert auf die Flüssigkristalltechnologie und trägt den Markennamen SLCD6. Gut gefallen hat uns das Schwarz, das organischen Bildschirmen (OLED) nahe kommt. Ein Always-on-Display (AOD) zur Darstellung von einfliegenden Nachrichten und anderen Informationen unterstreicht die exzellenten Kontraste. Im Allgemeinen ist das Display qualitativ, hell und gibt Farben aus dem DCI-P3-Raum realistisch wieder. Negativ aufgefallen ist uns ein Backlight-Bleeding aus dem unteren rechten Bereich, der bei absoluter Dunkelheit sichtbar ist.

Die Auflösung des Displays beträgt 2880 × 1440 Pixel. Mit mehr als 4,1 Millionen Bildpunkten macht das Sehen von Videos besonders viel Spaß, insbesondere wenn HDR10 als Feature unterstützt wird. Entsprechende HDR-Inhalte werden in der YouTube-App jedoch nicht erkannt, die Wiedergabe im Format 18:9 ist drin. Die App Netflix lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt gar nicht auf dem HTC U11 Plus installieren, da die Software noch nicht finalisiert wurde.

Flaggschiff-Smartphones müssen eine gute, wenn nicht erstklassige Kamera besitzen. Das HTC U11 Plus ist mit einer solchen Kamera ausgestattet. Sie ist technisch hochaktuell was die Hardware betrifft und auch die Software sowie Algorithmen sind gut aufgestellt. Als Grundlage dient ein Bildsensor mit 12 Megapixeln mit großen Einzelpixeln. Die Kantenlänge der Pixel beträgt 1,4 Mikrometer, was besonders gut für die natürliche Aufnahme von Licht ist, das durch eine lichtstarke Blende von f/1.7 durchfließt. Auf eine Dual-Kamera mit Schärfentiefe-Effekt verzichtet HTC – auch mit einer einzigen Kamera, wie Google es beispielsweise löst, ist es auf dem HTC-System nicht möglich.

Das U11 Plus nutzt einen optischen und elektronischen Bildstabilisator, um ungewünschte Bewegungen beim Filmen und Fotos schießen zu minimieren. Langzeitbelichtungen im Profi-Modus können mit 32 Sekunden gestartet werden, hier ist ein Stativ definitiv notwendig. Bei deutlich kürzeren Belichtungszeiten ist der OIS eine große Hilfe und beugt Verwackler vor.

Besonders beeindruckt waren wir von der kurzen Latenz bis zur Scharfstellung des Motivs. Rund 0,3 Sekunden braucht das HTC U11 Plus, bis der Fokus gesetzt wird. Möglich ist das mit einem Dual-Pixel-System, bei dem jeder Punkt auf dem Sensor von einem zusätzlichen Phasenfokus begleitet wird. 100 prozentiges PDAF kommt unter anderem bei Samsung, Google und Apple zum Einsatz.

Die Qualität der Bilder kann sich sehen lassen: Aufnahmen im Tageslicht sind nahezu perfekt. Auch bei Dämmerung und in Schwachlichtsituationen kommt das HTC U11 Plus gut klar und befindet sich auf einem Niveau mit Galaxy und iPhone. Empfehlenswert ist das Einschalten der Funktion HDR Boost, um einen maximalen Dynamikumfang im Bild zu haben. Farben werden nur leicht gestärkt, aber der Unterschied zwischen Weiß und Schwarz kommt so besonders zur Geltung.

Auf dem HTC U11 Plus läuft Android in der Version OS 8.0 Oreo. Die darauflegende Oberfläche kommt von HTC und heißt mittlerweile nur Sense – ohne eine spezielle Versionsnummer. Ab Werk sind leider einige Apps installiert, die vermutlich nicht von jedem Nutzer beansprucht werden. Beispielsweise UA Record – eine App zur Erfassung von Fitness-Daten. Oder eine individualisierte Tastatur von TouchPal, die wir umgehend gegen die Google-Tastatur ausgetauscht haben. Auch der Facebook-Konzern steuert seine Apps bei: Facebook, Messenger und Instagram. Die lassen sich allerdings nicht deinstallieren.

Doch am nervigsten ist die Nachrichten-App News Republic, die ab Werk Werbung als Push-Mitteilung einblendet. Wenn der Inhalt nur verträglich wäre, könnte man sich damit anfreunden. Statt wichtigen Themen, pushen die Server von News Republic Neuigkeiten aus dem Dschungelcamp. Glücklicherweise kann diese Belästigung abgestellt werden, doch ganz entfernen lässt sich die App auch nicht. Schade eigentlich, dass HTC den gleichen Weg geht, wie Samsung.

egen seiner Größe von 6 Zoll hat sich HTC etwas Neues einfallen lassen – oder besser gesagt: Sich von anderen inspirieren lassen. Konkret geht es um die zunehmende Bedienung mit einer Hand. Mit dem vertikalen Wischen auf dem Display kann von der Startseite die Benachrichtigungsleiste oder das Hauptmenü mit sämtlichen Apps runter- oder hochgezogen werden. Das ist benutzerfreundlich.

Das HTC U11 Plus besitzt ein druckempfindliches Gehäuse. Drückt der Nutzer am unteren Rand mit seiner Hand, startet auf dem Telefon eine vordefinierte Funktion. In gewissen Kontexten, wie beispielsweise der Kamera, wird ein Bild oder etwas anderes ausgelöst. Neu ist diese Interaktion nicht: Schon das HTC U11 konnte gedrückt werden, um beispielsweise Amazon Alexa oder Google Assistant zu initialisieren. Auch das Pixel 2 und Pixel 2 XL (Testbericht) können es seit kurzem. Neu ist im Grunde der sogenannte Edge Launcher: Ein seitliches Menü in Form eines Drehrads, das individuell mit Apps und Kontakten belegt werden kann. Ziemlich praktisch im Alltag.

Das U11 Plus ist ein interessantes Smartphone. Es ist monströs ausgestattet und in jeglicher Hinsicht besser als das HTC U11. Die Hardware ist aktuell und auch die Software-Funktionen sind nicht schlecht. Besonders gut gefallen hat uns die Kamera sowie der Schwerpunkt auf Audio. Aber auch die starke Akkulaufzeit mit einer Video-Wiedergabezeit von bis zu 12 Stunden bei maximaler Helligkeit gefällt uns. Bei normaler Nutzung kommt man sogar auf gute 2 Tage. Im Vergleich zu allen anderen Herstellern verlangt HTC für sein neuestes Flaggschiff-Smartphone 799 Euro. Das ist zwar viel Geld, doch günstiger als Samsung und Apple mit ihren vergleichbaren Produkten. Eine Preissteigerung ist bei HTC nicht vorzufinden, diese Haltung begrüßen wir.

Gegen das U11 Plus ist wenig einzuwenden: Es ist ein nahezu perfektes Smartphone mit einigen Schwächen im Designbereich: Fingerabdrucklastig und rutschig. Die mitgelieferte Hülle hilft, verdeckt aber das Glasdesign – hier muss der Hersteller funktional werden. Wer einen Top-Allrounder mit starken Multimedia-Funktionen und leistungsstarkem System sucht, wird mit dem HTC U11 Plus nicht unzufrieden sein.
HTC U11

Wer hätte das gedacht: Das HTC U11 besiegt das Galaxy S8 und landet auf einem fulminanten zweiten Platz in unserer Bestenliste! Ein Kaufgrund für das Handy ist die Kamera, die famose Bilder schießt und die vollen 100% in dieser Disziplin absahnt. Dazu kommen eine tolle Performance und eine üppige Ausstattung, die mit dem S8 durchaus mithalten kann. Der Akku hält länger als etwa beim S8 durch. Und obendrauf legt HTC ein druckempfindliches Gehäuse (also nicht nur Display!) – HTC nennt das Edge Sense. Das ist mal was anderes, wenngleich der recht breite Displayrahmen im Vergleich etwas altmodisch wirkt, muss man trotz bedenken dass es erst vorkurzen fast Randlose Kanten vorkamen. 

Im HTC U11 mutiert das Gehäuse zur Taste: HTC baut Sensoren in den unteren Teil des Rahmens ein, die auf einen festen Druck warten. Aktuell erkennt Edge Sense zwei Gesten: einen kurzen und einen langen Druck. Wie das System darauf reagiert, lässt sich einstellen – teils variieren die Aktionen je nach Kontext. Standardmäßig startet ein kurzer Händedruck die Kamera (auch aus dem Standby), dieselbe Geste löst in der Kamera-App eine Aufnahme aus. Wer den Gehäuserahmen auf dem Homescreen etwas länger drückt, startet den digitalen Gehilfen Google Assistant. HTC will zusätzlich noch Amazons Alexa auf Deutsch implementieren.

Das ist sicher innovativ und hat praktischen Mehrwert – ein alleiniger Kaufgrund wäre Edge Sense für uns aber nicht. Zum einen lässt sich die Kamera beispielsweise bei Modellen von Samsung sehr schnell per Doppeltippen über die Home- oder Powertaste aufrufen und mit der Lautstärketaste auslösen. Anfangs ist zudem etwas Übung gefragt, bis man das Feature verinnerlicht hat, weil es sich komisch und ein bisschen klobig anfühlt, das komplette Handy zu drücken. Die nötige Stärke, um Aktionen auszuführen, lässt sich übrigens einstellen. Versehentlich haben wird Edge Sense nie ausgelöst.

Nutzer können wahlweise auch andere Apps per Händedruck aufrufen; ab Sommer will HTC die Möglichkeit bieten, kombinierte Aktionen (Makros) aufzuzeichnen und per Edge Sense auszulösen – das klingt spannend. Edge Sense funktioniert im Übrigen auch durch Handschuhe und manche Cases hindurch.

Der eigentliche Star des HTC U11 ist die exzellente 12-Megapixel-Kamera. Eine so gute Fotoqualität haben wir noch bei keinem anderen Handy gesehen – da kann auch das Galaxy S8 nicht mithalten, das bislang den Bestwert gesetzt hat. Um die Bildqualität zu optimieren, schaltet HTC einen sogenannten HDR-Boost-Modus ein, der valide Bildinformationen von digitalen Artefakten unterscheidet und gute Qualität auch bei Dämmerlicht verspricht.

Unser Test kann das bestätigen: Normalerweise verschwinden Details (wie feine Haarsträhnen) in unserem Schwachlicht-Test unter starken Weichzeichnern – nicht so beim HTC U11. Im Vergleich zum S8 sind die Fotos etwas dunkler, wirken aber natürlicher und vor allem detailreicher. Samsungs Handy zeichnet stärker weich und verschluckt Bildinformationen. Man sieht dafür bei HTC ein dezentes Rauschen, das aber nicht stört. Die Kamera fokussiert dank Dual-Pixel-Autofokus extrem schnell. Das HTC U11 hat fraglos das Zeug, einige Digitalkameras in den Ruhestand zu versetzen.

Im Übrigen stecken in dem Handy vier Mikrofone, die nicht nur präzise Sprachsteuerung ermöglichen, sondern bei der Videoaufnahme wie ein Richtmikrofon auf ausgewählte Bereiche gerichtet werden können, um deren Sound deutlicher herauszuzeichnen – eine schöne Idee.

Wer mit dem nahezu randlosen Edge-Design von Samsungs Galaxy-S8-Modellen und deren ungewöhnlichem Breitbildformat nicht warm wird, bekommt bei HTC wieder Standardkost geboten. Das 5,5-Zoll-Display des HTC U11 liefert das klassische 16:9-Bildseitenverhältnis und ist von prägnanten schwarzen Rändern umfasst. Der LC-Bildschirm löst in QHD mit 1.440 x 2.560 Pixel auf – und bewegt sich damit auf Highend-Niveau. Naturgemäß wirkt das Schwarz nicht so satt wie beispielsweise beim AMOLED des Galaxy S8. Ein Fingerabdrucksensor befindet sich unter dem Screen in der Hometaste – hier hat HTC gegenüber Samsung die Nase vorn, wo der Sensor gewöhnungsbedürftig auf der Rückseite lagert.

Die Messwerte bescheinigen dem Screen eine gute Qualität. Er ist mit 469 cd/m² ausreichend hell, könnte aber einen besseren Schachbrettkontrast haben. Das S8 bringt mehr Dynamik auf den Screen.

Frisch poliert macht das HTC U11 dank seiner modernen Metallic-Farben beziehungsweise dem von Autos bekannten changierenden Perlmutt-Weiß optisch einiges her. Allerdings spiegelt die Oberfläche aus mehrschichtigem gefärbtem Glas extrem stark. Das Modell in Blau-Metallic ist nach kurzer Zeit von unschönen Fettschlieren und Fingerabdrücken übersät. Wer sich an so etwas stört, sollte lieber zum U11 in Schwarz greifen, das von diesem Effekt nicht so betroffen ist.

Insgesamt ist das U11 sehr gut verarbeitet, zudem brauchen sich Nutzer nicht vor einem unfreiwilligen Wasserbad zu fürchten, da das Gerät nach IP-Standard 67 staub- und wasserdicht ist.

Neben dem Galaxy S8 und dem Xperia XZ Premium ist das HTC U11 eines der ersten Smartphones mit Snapdragon-835-Prozessor – das ist der derzeit wohl stärkste Mobilprozessor. Dementsprechend reagiert das U11 nicht nur blitzschnell und bietet Grafikpower satt, sondern unterstützt auch LTE-Transferraten bis zu einem Gigabit pro Sekunde - sofern die Netzbetreiber hier mitspielen. Der interne Speicher arbeitet dank UFS-2.1-Standard extrem schnell. Im Benchmark messen wir 800 MByte pro Sekunde Lese- und rund 200 MByte/s Schreibrate. Dank USB-3-Typ-C übertragen Sie Daten auch an einen entsprechend ausgerüsteten PC flott.

Da hat HTC ein bisschen bei Apple gespickt: Audio überträgt das Handy ausschließlich über den USB-Typ-C-Port. Ein entsprechender Adapter auf Klinke ist im Lieferumfang enthalten. Der Hersteller legt dem Smartphone auch ein gutes USB-Typ-C-Headset mit aktiver Geräuschunterdrückung bei. Beim erstmaligen Einsatz vermisst das In-Ear-Set das Gehör per Ultraschall, um den Sound zu optimieren. Aktives Noise-Cancelling klappt aber nur, wenn Sie Musik abspielen, viele NC-Kopfhörer schalten Umgebungsgeräusche auch dann aus, wenn man nur Stille hören möchte, um etwa beim Arbeiten Ruhe zu haben. Trotzdem ist es lobenswert, dass HTC ein so cooles In-Ear-Set beilegt.

Der Arbeitsspeicher ist 4 GByte groß, der nominell 64 GByte fassende Nutzerdatenspeicher lässt sich per MicroSD-Karte erweitern. Alternativ können Käufer der brandingfreien Geräte auch eine zweite SIM-Karte einsetzen. In Asien wird es vom HTC U11 übrigens auch eine Version mit 6 GByte RAM und 128 GByte Speicher geben.

Der Akku kommt mit einer Kapazität von 3.000 mAh – und liegt damit auf gleichem Niveau wie der des Galaxy S8. Das HTC U11 läuft aber etwas länger als das normale S8 und kommt im Online-Dauer-Test auf sehr gute 10:14 Stunden – dafür ist sein Screen aber auch ein bisschen kleiner. Im Lieferumfang gibt es ein 15-Watt-Schnellladegerät, mit dem sich das Handy in etwas unter zwei Stunden vollladen lässt.

HTC verkauft das U11 in Deutschland seit dem 1. Juni zu einem Einführungspreis von 749 Euro. Ein augenscheinlich hoher Preis, der jedoch mittlerweile für Highendmodelle ganz normal ist. Als Farben stehen vorerst Silber (Amazing Silver), Schwarz (Brilliant Black), Blau (Saphire Blue) und Weiß (Ice White) zur Auswahl. Im Sommer folgt Rot (Solar Red).

Das HTC One A9s

Für einen Preis von 299 ist das HTC One A9s ein Mittelklasse-Smartphone. Lohnt sich die Ausgabe trotzdem?

Achtung, jetzt wird es etwas verwirrend. Denn: Das HTC One A9s soll nicht der Nachfolger zum HTC One A9 sein. Sondern als Einsteiger-Gerät (was manche dazu sagen, ich gehörer her zu den Leuten die sagen das es ein Mittelklasse-Gerät ist) für Leute dienen, die sich das HTC 10 (oder HTC 10 Evo) nicht leisten können oder wollen. Der Name kommt schlicht daher, dass das A9s aussieht wie das A9 aus dem Vorjahr. Wer etwas genauer hinsieht, wird aber auch Ähnlichkeiten zu einem anderen Smartphone erkennen. Die Antennenstreifen und die Form des Gehäuses erinnern schon sehr stark an die iPhone-6-Serie. Allerdings hat das HTC kein Unibody-Gehäuse. Die Rückseite aus Plastik wurde verklebt, mit ein Alu-Rand.

Bei den Anschlüssen und Bedienmöglichkeiten gibt es keine Überraschungen: Unten sitzen der micro-USB-Anschluss und den Köpferhörereingang, links der Einschub für eine SIM- und eine microSD-Karte und den Einschalter, rechts dann die Lautstärkewippe. Unter dem Bildschirm liegt der Homebutton mit integriertem Fingerabdrucksensor. Das Display misst wie beim A9 fünf Zoll in der Diagonale, löst aber nur mit 720p auf. Das klingt nicht mehr zeitgemäß. HTC hat dafür eine Erklärung: Die niedrige Auflösung soll der Akkulaufzeit von maximal 4 Tagen, mit einer Nutzung Zeit und Intensivität die beim ein Mittelklasse-Gerät hinkommt und der Leistung zugute kommen. Drin steckt mit dem Helio P10 nämlich nur ein Mittelklasse-Chip, dem aber immerhin drei Gigabyte RAM zur Seite stehen. Tatsächlich lassen sich mit der Ausstattung auch anspruchsvolle Titel, wie Ashpalt 8 zocken und das Ruckelfrei. Ihr solltet Euch aber darauf einstellen, dass die Ladezeiten etwas länger ausfallen und die Texturen verwaschen aussehen.

Die weitere Ausstattung komplettieren 32 Gigabyte Festspeicher. Per microSD-Karte könnt Ihr diesen theoretisch um zwei Terabyte erweitern. Praktisch gibt es Karten in der Größenordnung noch nicht. Macht aber auch nichts. Denn HTC wirbt ohnehin mit unendlichem Speicher. Zumindest für Fotos. Denn wie bei jedem aktuellen Android-Telefon ist Google Fotos vorinstalliert. HTC verzichtet aber auf eine separate Galerie-App.

Jetzt müsste nur noch die Foto-Qualität der 13-Megapixel-Kamera stimmen. Die Ergebnisse sind allerdings durchwachsen. Details und Schärfe gehen in Ordnung. Die Kamera liefert manchmal aber ziemlich blasse Farben. Dazu kommt, dass die Selfies mit der Fünf-Megapixel-Kamera einen leichten Rotstich haben. Ansonsten gibt Euch HTC aber eine Kamera-App an die Hand, in der Ihr Euch voll austoben dürft. Profi-Modus, Zeitraffer, oder die Funktion ZOE-Fotos, mit der Ihr zusätzlich zum Foto einen kurzen Videoclip aufnehmt: Alles ist dabei.

Das Betriebssystem (Android 6.0 Marshmallow) hat HTC nach eigener Aussage von der Sense-Oberfläche getrennt. So wollen die Taiwaner schnellere Updates sowohl für die Oberfläche als auch fürs System liefern. Wann es für das Gerät Android 7.0 Marshmallow geben wird. Positiv ist aufgefallen, dass HTC bei der Einrichtung fragt, welche Apps Ihr installieren wollt. Das kommt dem Speicher zugute.

299 Euro, im Angebot sogar mal 199 Euro soll das HTC One A9s kosten. Damit ist das Smartphone mindestens 50 Euro zu teuer. Das Moto G4 Plus, das ebenfalls für rund 300 erhältlich ist, hat zum Beispiel einen höher aufgelösten Bildschirm und bietet deutlich mehr Leistung, aber immer noch günstiger als das Samsung Galaxy A5 (2017) mit relativ gleicher Leistung, vielleicht sogar etwas besser.

 
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